Liuto Concertato Duo Kirchhof-Degen
Martina Degen - Viola da Gamba
& Lutz Kirchhof - Laute
Super Flumina Babylonis
Meditative Musik der Renaissance
Santino Garsi da Parma
(um 1600)
Correnta, Balletto, Gagliarda di Santino Galiarda detta menti per la gola
Guillaume de Morlaye
(um 1510 1560)
Psaume CXXX:
De profundis : Du fons de ma pensée
Psaume CXXXVII :
Super flumina Babylonis : Estans assis aux rives
Nunc dimittis (Cantique de Simeon) : Or laisse Createur
Nicolas Vallet
(um 1600)
Psalm 24 Psalm 25
Robert Ballard
(ca. 1575 1650)
Entrée de LuthCourante
Branles de Village
John Dowland
(1563 1626)
aus « A Pilgrimes Solace » (1612)
XIV: Thou mighty God
XV: When David’s life
XVI: When the poor cripple
John Dowland
A Dream
Richard Allison
(um 1600)
The Lamentation: O Lord turne not away thy face
The Lamentation: O Lord in thee is all my trust
John Dowland The Earle of Darby his Galliard
Anonymus
The Witches dance in the Queen‘s Mask
Diego Ortiz Recercada Tercera/Quarta
(Mitte 16. Jh.) Recercada sobra Doulce Memoire ...
Anonymus
3 Schottische Lautenstücke
Esaias Reusner d. Ältere
(1636 1679)
aus: Hundert Geistliche Melodien
Evangelischer Lieder:
Auff meinen lieben Gott
O Haupt voll Blut und Wunden
Die Nacht ist kommen
b.w.
Zum Programm:
Gleichwie aber der böse Geist durch die Music vertrieben; also wird der gute Geist dadurch erlanget ...
Dieses Zitat aus Wolfgang Caspar Printz‘ Historischer Beschreibung der edelen Sing und Klingkunst (Dresden 1690) zeigt welche Wirkungen einer guten Musik im alten Europa zugesprochen wurden. Das Programm bietet Kompositionen, die zu musikalischer Meditation und Kontemplation führen sollen.
Heute gewinnt die Praxis der Meditation und inneren Einkehr wieder zunehmend das Interesse feinsinniger Menschen, doch wird die Anregung hierzu vornehmlich in außereuropäischen Kulturen gesucht. Die Existenz einer abendländisch-christlichen Meditationspraxis ist wenig bekannt, obwohl in zahlreichen Quellen Hinweise darauf zu finden sind.
Der englische Lautenist Thomas Mace beschreibt in seinem Musick’s Monument (London 1676) die göttliche, rhetorische Kraft der Musik. Ebenso wie Worte könne sie mit großer Leichtigkeit und Freiheit Stimmungen, Vorstellungen und Leidenschaften aller Art deutlich faßbar ausdrücken.
Die Musik sei aber so transzendentaler Natur und vermittle ihre Inhalte so unmittelbar den tiefen, unbegreiflichen Kräften der Seele, daß sie sich jenseits aller begrifflichen Sprache bewege und in weit stärkerem Masse als diese den Menschen bezaubern und zu göttlicher Verzückung und Kontemplation bringen könne. Solche Einflüsse der Musik seien mit den Segnungen eines sanften, himmlischen Wesens zu vergleichen, das Geist und Seele von allen unruhigen und störenden Bewegungen befreie und statt dessen mit Ruhe, Frieden, absoluter Gelassenheit und einer unbeschreiblichen Zufriedenheit erfülle.
Die Musik existiert nach alten europäischen Vorstellungen als Absolutes im Bereich der Spähren und wird von Komponisten zunächst im Geist wahrgenommen. Die Umsetzung in sing- und spielbare Tonkunstwerke ergibt ein Abbild dieser ewigen Harmonie und soll entsprechende Wirkungen auf den Zuhörer haben. Bei der Realisierung ist die Wahl des Instrumentariums frei gestellt, so daß die Werke oft zum Singen und spielen auf allrelei Instrumenten angeboten wurden. Für musikalische Meditationen wurden die Laute und die Viola da Gamba aufgrund ihrer sanften, warmen, klaren und farbenreicher Klangeigenschaften bevorzugt.
Auch der Tanz konnte eine verfeinernde und einstimmende Wirkung auf den Geist haben, so daß alten Beschreibungen zufolge Gläubige oft im Pavanenschritt zur Kirche gingen und sich so auf die Andacht vorbereiteten.
Das Programm versucht eine Geisteshaltung erfahrbar zu machen, die abendländische menschen am beginn unserer modernen Kultur prägte.
Lutz Kirchhof
Aus Wolfgang Caspar Printz, HISTORISCHE BESCHREIBUNG DER EDELEN SING- UND KLING-KUNST, Dresden 1690
© Lutz Kirchhof, Weilburg 2001
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