Südwest-Presse vom 16.02.2002

Musikalischer Kampf um die Erde

Kai Arend aus Dettlingen veröffentlicht am Montag seine neue CD ,,Colors Of Changing Time"

DETTLINGEN. Kai Arend ist Musiker und Produzent aus Dettlingen, Corbin Harney aus Kalifornien ist Medizinmann und spiritueller Leiter der Western-Shoshonen. Und doch haben beide etwas gemeinsam: die neue Kai Arend-CD ,,Colors Of Changing Time", die am Montag auf den Markt kommen wird, und die Sorge um unsere Erde.
Seit 1996 arbeitet Kai Arend mit dem Naturfotografen Markus Mauthe aus Friedrichshafen zusammen und hat bisher drei Soundtrack-CDs für dessen Dia-Shows aufgenommen. Da war es keine Frage, dass Arend auch die neue Dia-Show ,,Canyonland" vertonen sollte. Und was meist aus der Ferne mit Hilfe der Bilder geschah, sollte dieses Mal hautnah erlebt werden.
Im April und Mai 2001 begleitete er Mauthe drei Wochen lang auf dessen Trip durch die Felslandschaften der USA. "Das ist eine wahnsinnig faszinierende Landschaft", gerät Arend im Gespräch ins Schwärmen und startet zur Unterstützung eine PC-Slide-Show mit Mauthes beeindruckenden Bildern.
Eine weniger schöne Erfahrung hat der sympathische Musiker auf seiner Reise aber auch machen müssen: Dort hat er mit eigenen Augen erlebt, in welch schockierenden und ärmlichen Verhältnissen die India
ner in den Reservaten leben müssen. Durch Atomversuche, verseuchtes Trinkwasser und abgeholzte Wälder wurde ihnen bereits fast jegliche Lebensgrundlage entzogen.
Mit diesen widersprüchlichen Erfahrungen im Gepäck flog Kai Arend zurück und wusste, dass diese CD nicht nur eine musikalische Reise durch die Schönheit der USA wer-den konnte, sondern auch das Schicksal der Indianer zum Thema haben muss. Die Kontaktaufnahme zu indianischen Vereinigungen war einfacher als erwartet. Und das, obwohl es wohl kaum eine indianische Familie in den USA gibt, die noch kein Familienmitglied durch den weißen Rassenhass verloren hat.
Kai Arend konnte nicht nur Corbin Harney dazu bewegen, auf seiner CD mitzuwirken, sondern traf auch Mala Spotted Eagle, Sohn des berühmten Shamanen und Buchautors Rolling Thunder und Präsident des Nanish Shontie Projekts, persönlich in Belgien. Das von ihm ge-leitete Nanish Shontie Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, das Wissen der Indianer über das Leben in Harmonie mit Mutter Erde in der heutigen Zeit zu verbreiten, um der zivilisierten Zerstörung der Umwelt Einhalt zu gebietet. Pro verkaufter CD gehen 2,50 Euro an dieses Projekt.
Der Kauf lohnt sich aber nicht nur deshalb. Denn Kai Arend hat sein bislang bestes Album vorgelegt. Im Dettlinger ,,Tonstudio Kai Arend" entstanden in über drei Monaten 14 Instrumentaltitel und zwei Songs: "Mother Earth" strahlt eine wahnsinnige Kraft aus, muss in seiner Intensität keine Vergleicht mit Jahrhundertwerken wie Alan Parsons ,,La Sacrada Familia" scheuen und schafft dank der powervollen Stimme von Yvonne Fries aus Ahldorf und dem von Corbin Harney gesprochenen und in Las Vegas aufgenommenen indianischen Gebet Gänsehaut-Atmosphäre.
Etwas eingängiger aber nicht minder mitreißend, ist das Titelstück; eine traumhafte Ballade mit dem bezaubernden Gesang von Gisi Eschenberg aus Freudenstadt und einem die Thematik auf den Punkt bringenden Text der ehemaligen SÜDWEST PRESSE-Redakteurin Susan Jones, die auf "Mother Earth" auch Kontrabass spielt.
Für die ganze CD gilt das, was Kai Arend über seine Werke sagt: ,,Meine Musik ist Ausdruck für Stimmungen und Gefühle, die man nicht in Worte fassen kann." Eine grobe Umschreibung sei jedoch erlaubt: Die meist instrumentalen Stücke sind allesamt angenehmer Natur und sehr atmosphärisch. Man spürt, dass die Musik aus dem Herzen kommt. Und trotz Computer-Technik ist vieles handgemacht: Die Piano-Parts zauberte Arend auf dem Studio-Flügel. Pablo Oellers brachte zwei Stücken den nötigen Groove mit Schlagzeug und Percussion, und Matthias Waßer lieferte einige Gitarren-Parts.
Mit dem renommierten Münchner Jazz-Gitarristen Martin Ederer war gar ein Musiker am Werk, aus dessen Feder die legendäre SWF-Pop-Shop-Titelmelodie stammt und der bereits für den deutschen Jazzpreis nominiert war. Durch seine sehr emotionale Gitarre und das fast schon überirdische Zusammenspiel mit Kai Arend lebt die Musik einfach. Ein Beispiel hierfür ist die Improvisation in "Dancing Strings".

Ebenfalls neu in der Arend‘schen Diskographie ist die CD "Reflections", eine Art Best-Of-Album aus den ersten drei Dia-Show-CDs (Ost-Afrika, Süd-Afrika und Portugal) mit einer faszinierenden 15-minütigen Klavier-Improvisation. Eine recht ruhige und meditative CD, die einen sehr guten Überblick über das bisherige Schaffen von Kai Arend gibt.
INFO Alle Kai Arend-CDs gibt es auf der Internetseite "www.mabon.de" oder telefonisch unter (0 74 82) 72 75.